Archiv

Archiv2026-02-24T17:49:11+01:00

Im Archiv finden sich frühere Beiträge der Flechtenkundlichen Arbeitsgemeinschaft Nordwestdeutschland. Die hier gesammelten Texte dokumentieren Exkursionen, Projekte, fachliche Beobachtungen und Diskussionen aus vergangenen Jahren. Sie geben Einblick in Entwicklungen, Fragestellungen und Arbeitsschwerpunkte früherer Zeiträume und machen die kontinuierliche Auseinandersetzung mit Flechten, ihren Lebensräumen und ihrer Bedeutung für Naturschutz und Bioindikation nachvollziehbar. Das Archiv versteht sich als Dokumentation unserer bisherigen Tätigkeit – und als Fundus für alle, die sich vertiefend mit einzelnen Themen beschäftigen möchten.

Ausflug nach Langeoog

Der diesjährige Nationalpark-Tag der Artenvielfalt lockte auch Mitglieder der Flechten-AG-Nordwest nach Langeoog. Es gab zwar nicht so spektakuläre Funde wie in der Gefäßpflanzen-Gruppe, mit 58 Flechtenarten aber eine ganz beachtliche Menge, da wir es nicht mal bis zu den Graudünen geschafft hatten. Deckwerke am Hafen und zahlreiche Gehölze entlang des Weges ließen keine Langeweile aufkommen.

6. August 2022|

Ordnungswidrige Baumpflege

Wir ahnten es schon lange: Die Beschneidung und Fällung von Gehölzen, die alljährlich im Februar ihren Höhepunkt erreicht, ist wohl in vielen Fällen rechtswidrig. Nun liegt ein Fachbuch vor, das Baumpflege unter Berücksichtigung des Artenschutzes erstmals in der gesamten Bandbreite – also auch im Hinblick auf die oft vergessene Artengruppe der Flechten – ausführlich schildert. Wir haben die Lektüre zum Anlass genommen, einen kurzen Blick auf dieses Themenfeld zu werfen und mussten feststellen, dass auch Naturschutzverwaltungen offenbar nicht genau hinschauen.

10. Mai 2022|

Winterpause der Exkursionen – wir bleiben weiter aktiv

Kurze Tage, frostige Temperaturen und die neue Omikron-Variante lassen keinen Zweifel: Die Zeiten gemeinsamer Exkursionen in diesem Jahr sind zu Ende. Aber wir hoffen auf spannende Entdeckungen auch im nächsten Jahr. Wir werden rechtzeitig zum Frühjahr ein Programm mit den neuen Terminen verschicken. Wer noch nicht im Verteiler ist, möge sich rechtzeitig an uns wenden, um nichts zu verpassen. Ansonsten werden wir alle Veranstaltungen auch auf der Seite Termine ankündigen. Bis dahin sind wir allerdings nicht im Winterschlaf, sondern bei freundlichem Wetter wie bisher zwischen Weser und Ems an allen Stellen unterwegs, an denen Flechten zu finden sind. Und das Wichtigste: Wir freuen uns über jede Zuschrift: Wer Hilfe bei Bestimmungen oder sonstige Hinweise braucht, wird bei uns immer offene Ohren und Augen finden!

5. Dezember 2021|

Flechtenspanner

Andere, die Flechten spannend finden, gibt es auch unter den Insekten. Hier ein Foto, das uns der Schmetterlingsexperte Carsten Heinecke, Oldenburg zur Verfügung gestellt hat. Es zeigt die Raupe des Grünen Flechten-Rindenspanners (Cleorodes lichenaria) auf einem dicht mit Strauchflechten (hier z.B. der Gattung Ramalina) bewachsenen Zweig in einem küstennahen Weidengebüsch der dänischen Halbinsel Jütland aus diesem Herbst. Gut getarnt fressen die Spanner bevorzugt Strauch- und wohl auch Bartflechten und überwintern dort bevor sie im Frühjahr als kleiner, ebenfalls unscheinbarer Falter das Weite suchen. Dass die Art in der niedersächsischen Roten Liste in der Kategorie 1 geführt wird, steht sicherlich im Zusammenhang mit dem Verschwinden solch üppiger Flechtenbestände hierzulande.

Weitere Informationen und Bilder sind im Lepiforum zu finden.

19. November 2021|

Exkursion: Ihlower Forst

Die letzte Exkursion des Jahres führte bei grauem Novemberhimmel durch einen kleinen Teil des Ihlower Forsts. Die zahlreich angereisten TeilnehmerInnen wurden nicht nur mit über 60 entdeckten Arten, sondern kurz vor Einbruch der Dämmerung auch mit einem außergewöhnlichen Vorkommen belohnt. Das in der Region nicht seltene, aber bislang meist steril gefundene Hellgraue Blutauge stellte an einer Linde eindrücklich die Herkunft seines Namens unter Beweis: Eine Fülle hellroter Apothecien bedeckte das sorediöse graue Lager. Im nahen Kloster-Café konnte das Ereignis zum Abschluss der Exkursion bei Kaffee und Kuchen angemessen gewürdigt werden.

13. November 2021|

Exkursion: Oldenburg Stadt

Das zweifelhafte, jedoch unbestrittene Glanzstück der Exkursion durch die Haaren-Niederung an der Uni Oldenburg war der Nachweis der Gewöhnlichen Blasenflechte. Kurz vor dem Ende der sechsstündigen Exkursion fanden sich noch wenige Lager, deren trauriger Zustand keinen Zweifel an den herrschenden Immissionsbedingungen aufkommen ließ. Abgestorbene und z.T. schon fehlende Teile des Lagers verwiesen auf hohe Stickstoffeinflüsse, wie sie schon beim Expositionsversuch am Botanischen Garten eindrucksvoll belegt werden konnten. Bemerkenswert war, dass das noch vereinzelt vorkommende Eichenmoos (Evernia prunastri) und die Felsen-Schüsselflechte (Parmelia saxatilis) im Vergleich eine etwas bessere Vitalität erkennen ließen. Aber auch bei diesen Arten ist absehbar, dass ihre Tage bei anhaltender Immissionsbelastung auch an der schönen Eichenallee in Wechloy gezählt sind.

30. Oktober 2021|

Nachweis von Neckers Schildflechte (Peltigera neckeri)

Mit Peltigera neckeri gelang nach über 60 Jahren ein bemerkenswerter Wiederfund einer im Niedersächsischen Tiefland bislang als verschollen geltenden Art.
Die Art ist rezent von Uwe de Bruyn auf vier der Ostfriesischen Inseln gefunden worden. Sie kommt demnach als Art mit geringer Konkurrenzfähigkeit vor allem in der artenreichen Graudüne an nordexponierten Dünenhängen vor. Demgegenüber überrascht das Vorkommen an einem Sekundärstandort auf Feinerde über verwitterndem Asphalt des ehemaligen Flugfeldes (Sekundärstandort). Näheres zu dem Fund finden Sie hier.

26. August 2021|

GEO-Tag der Natur

Der diesjährige GEO-Tag der Natur an der Leybucht wird uns nicht nur wegen mehrstündiger Regenfälle, stürmischer Böen und Durchnässung vieler TeilnehmerInnen in Erinnerung bleiben. Kurz vor dem Ende der unvergesslichen Veranstaltung gab es noch einen überraschenden Neuzugang für die regionale Flechtenflora. Auf einem Deckwerk nahe der Schleuse Leysiel fand sich ein unübersehbares Lager der Gesprenkelten Felsschüsselflechte (Xanthoparmelia conspersa).

31. Juli 2021|

Doktorarbeit zu Flechten in Nordwestdeutschland

Falls jemand die auf diesen Seiten umrissene, hoch aktuelle Thematik zur Situation der Flechten in Nordwestdeutschland wissenschaftlich vertiefen möchte, besteht die Möglichkeit, dies im Rahmen einer Doktorarbeit an der Universität Oldenburg durchzuführen. Anfragen hierzu können über die Seite Kontakt an uns gerichtet werden.

14. Mai 2021|

Flechten in Baumkronen

Alljährlich hören wir in den Monaten Januar und Februar den vermehrten Einsatz von Kettensägen in der Landschaft. Grund dafür ist die Bestimmung des § 39 Abs. 5 Nr. 2 Bundesnaturschutzgesetz, die es verbietet, Gehölze ab dem 1. März zu schneiden oder zu beseitigen. Also erfolgen in den nächsten Wochen allerorten wieder Pflegeschnitte an Straßenbäumen, Feldgehölzen und Wallhecken. Auch mancher alte Baumriese wird bei dieser Gelegenheit aufgrund tatsächlicher oder vermuteter Bruchgefahr sein vorzeitiges Ende finden.

Bei allem Bedauern über oft schwer verständliche Maßnahmen eröffnen sich dem Flechteninteressierten in diesen letzten Winterwochen einmalige Möglichkeiten, auch die sonst unzugänglichen Kronenbereiche ohne großen Aufwand näher zu untersuchen. Selbst die Entnahme von Belegmaterial stellt kein Problem dar, da das Absterben der Flechtenvegetation am gefällten Baum nur eine Frage der Zeit ist. Am heimischen Binokular können dann in aller Ruhe wichtige Artmerkmale von Makroarten verglichen werden, die an den unteren Stammbereichen oft nur mangelhaft entwickelt sind. Auch die Suche nach oft übersehenen Mikroarten an mitgebrachten Zweigen ist mit einem Heißgetränk in Reichweite meist erfolgreicher als im Gelände.

Wer bei der Bestimmung der gefundenen Arten Hilfe benötigt oder eine Artansprache bestätigt haben möchte, findet über unsere Kontaktadresse jederzeit mehrere offene Ohren und Augen. Viel Erfolg!

23. Januar 2021|

Jahresbericht

Trotz der weitreichenden Beschränkungen im Frühjahr und ab Oktober konnten im vergangenen Jahr mehrere schöne Veranstaltungen stattfinden, bei denen wir in höchst interessanten Gebieten einige ungewöhnliche Funde machen konnten. Der neue Jahresbericht 2020 vermittelt einen kleinen Eindruck davon.

11. Januar 2021|

GEO-Tag der Natur: Flechtenrückgang im schwimmenden Moor von Sehestedt

Auf Einladung der Nationalparkverwaltung Niedersächsisches Wattenmeer fand in Sehestedt am Ostrand des Jadebusens der diesjährige GEO-Tag der Natur statt. Die Flechtenkundliche Arbeitsgemeinschaft war mit vier Mitgliedern vertreten. Unsere Untersuchungen beschränkten sich auf den Bereich des schwimmenden Moorkörpers, der durch Heide- und Gehölzflächen sowie einzelne Torfabbruchkanten geprägt ist. Die von Joachim Langerfeldt vor mehr als 80 Jahren noch gefundenen Bodenflechten konnten bis auf wenige Relikte nicht mehr festgestellt werden. Auch zwei acidophytische Rindenflechten, die in der Region noch vorkommen (Evernia prunastri und Hypogymnia physodes), wurden nicht mehr nachgewiesen. Stattdessen wird die Flechtenflora des schwimmenden Moores von den Eutrophierungs- und Wärmezeigern bestimmt, die sich in der Region in den letzten Jahren stark ausgebreitet haben. Spezialisierte Arten dieses besonderen Lebensraums wurden nicht mehr gefunden.

12. August 2020|

Seltene Bartflechte in Leer entdeckt: Usnea hirta im Stadtgebiet

Bartflechten der Gattung Usnea sind in der Region sehr selten geworden. Derzeit ist nur ein weiteres Vorkommen in Feuchtgebüschen auf Norderney bekannt. Umso größer war die Überraschung, als nahe des Stadtzentrums von Leer ein kleines Lager der Struppigen Bartflechte (Usnea hirta) auf einer jüngeren Linde (40 cm Ø) gefunden wurde. Finden empfindliche Arten nach ihrem weitgehenden Verschwinden aus dem landwirtschaftlich geprägten Umfeld nunmehr in Städten geeignete Umweltbedingungen vor? Wir werden genauer hinschauen müssen.

31. Juli 2020|

Flechtenkartierung im Botanischen Garten Oldenburg zeigt deutliche Veränderungen

Dem drohenden Gewitter zum Trotz haben wir uns im Oldenburger Botanischen Garten getroffen, um zunächst – für jedermann sichtbar – neben der Grünen Schule eine Expositionstafel mit Flechten zu installieren. Das Bioindikations-Verfahren wird in den nächsten Wochen mit regelmäßig veröffentlichten Fotos über das Ausmaß von Luftverunreinigungen informieren. Anschließend wurden an den Bäumen und Sträuchern epiphytische Flechten kartiert. Unglaublich, was 13 Jahre nach der ersten Untersuchungen von Uwe de Bruyn für Veränderungen stattgefunden haben.

Nachtrag:

Die Auswertung der Kartierungsergebnisse aus dem Botanischen Garten ist jetzt abgeschlossen. Unter 35 festgestellten Arten auf Rinde und bearbeitetem Holz fanden sich 8 Arten, die Uwe de Bruyn in seiner Publikation über den Botanischen Garten Oldenburg im Jahr 2007 noch nicht erwähnt hatte. Es handelt sich um Arten, die in den vergangenen Jahren stark zugenommen haben, wie z.B. die Gewöhnliche Leuchterflechte (Candelaria concolor) oder die Rotbraune Zeichenflechte (Pseudoschismatomma rufescens). Diese Arten bilden auf den Bäumen nicht nur des Botanischen Gartens unverkennbare Massenbestände und haben sich zweifellos erst in den letzten Jahren angesiedelt. Es sind wärmeliebende Arten, deren Ausbreitung auf die Klimaerwärmung zurückgeht. Im Botanischen Garten kann nunmehr also auch der Klimawandel besichtigt werden.

27. Juni 2020|

Neue Website der Flechtenkundlichen Arbeitsgemeinschaft online

Um trotz stark eingeschränkter Begegnungsmöglichkeiten einen Informationsaustausch zu ermöglichen, haben wir unsere seit einigen Wochen geplante Internetpräsenz vorzeitig freigeschaltet. Längst sind nicht alle Seiten mit Inhalt gefüllt und wichtige Aspekte konnten noch nicht bearbeitet werden. Wir hoffen auf Nachsicht und würden uns über Mitarbeit und Anregungen sehr freuen. Unter der Rubrik Termine werden wir künftig gemeinsame Veranstaltungen ankündigen, sobald dies unter Einhaltung der erforderlichen Regeln wieder vertretbar erscheint.

26. Juni 2020|
Nach oben